Elternbrief 01 09/10
Liebe Eltern,
wie in jedem Jahr um diese Zeit, möchte ich Sie auf diesem Wege informieren über die Unterrichtsversorgung,
geplante Aktivitäten, wichtige Veränderungen und die aktuelle Terminlage.
Die Personalsituation
Nach dem Ausscheiden von Herrn Plattner, Herrn Weingarten und Frau Prüser sind neu in das Kollegium eingetreten:
Frau Verena Fischer (Studienreferendarin, Deutsch und Religion), Frau Birka Hocke (Französisch, Englisch, Deutsch),
Herr Philipp Janssen (Geschichte, Wirtschaft-Politik), Frau Marion Klettke (Deutsch, Englisch),
Herr Michael Schmidt (Mathematik, Physik, Sport), Herr Frank Weis (Erdkunde, Sport).
Die Unterrichtsversorgung
Wenn drei Kollegen die Schule verlassen und sechs neu hinzu kommen, sieht das zunächst sehr erfreulich aus.
Die Erstellung der Unterrichtsverteilung war in diesem Jahr ein reines Vergnügen: Erstmals seit vielen Jahren konnte
die volle Wochenstundenzahl gemäß der Stundentafel erteilt werden, es gab also keinen Unterrichtsausfall in Folge von
Lehrermangel. Hinzu kam ein stattliches AG-Angebot von 20 Wochenstunden.
Das änderte sich leider gleich nach dem Wiederbeginn der Schule: Frau Rocksien und Frau Manns erkrankten,
Herr Siekaup musste aus gesundheitlichen Gründen seine Unterrichtsverpflichtung reduzieren.
Der dadurch bedingte Stundenausfall konnte durch Umverteilungen und durch die Tatsache, dass Herr Schmidt bereit war,
seinen Vertrag aufzustocken, zum Teil ausgeglichen werden, jedoch nicht vollständig.
Mehr können wir zur Zeit nun auch nicht mehr leisten.
Ich zitiere aus einem Schreiben vom 4. September 2009, das alle Schulleiter erhalten haben; es kommt von Herrn Tonnus, dem Leiter des Personalreferats im Bildungsministerium, an den sich alle Anfragen wegen Krankheitsvertretung richten
und an den auch alle Elternbeschwerden wegen Unterrichtsausfall weiter geleitet werden. Herr Tonnus schreibt:
„Für kurzfristige Vertretungsfälle stehen zur Zeit kaum noch Bewerber zur Verfügung, so dass entsprechende Anforderungen
seitens des Personalreferats nur noch in einzelnen Glücks)fällen erfüllt werden können. Unter drei Wochen geht praktisch gar nichts mehr (Anmerkung von mir: In der Praxis sind das oft auch sechs Wochen!), weshalb ich Sie in Fortsetzung der geübten Praxis bitten muss, für solche Zeiträume keine Anforderungen zu schicken, und selbst für längere Vertretungsfälle sind kaum noch Kräfte zu gewinnen, wenn der Vertretungsfall nicht mindestens das ganze Schulhalbjahr umfasst.“
In derselben Weise äußerte sich auch Staatssekretär Jost de Jager auf der landesweiten Schulleiterdienstversammlung
am 11. September 2009 in Rendsburg: „Wir haben nur noch eine ganz kleine, eiserne Reserve an Vertretungskräften“.
Die Schulen müssen sich also selbst helfen. Und die Schule, d.h. der Schulleiter kann genau zwei Dinge tun:
Mehrarbeit mit den Kollegen vereinbaren oder Unterricht ausfallen lassen.
Mehrarbeit (natürlich unbezahlte) leisten die Lehrer seit vielen Jahren, zum Teil freiwillig, zum Teil vom Ministerium verordnet.
Am Ende des vergangenen Schuljahres schob unser Kollegium einen Berg von mehr als 30 Jahres-Wochenüberstunden
vor sich her, die natürlich irgendwann auch wieder zurückgegeben werden müssen: Überstunden im Umfang von fast
1,5 Lehrerstellen.
Hinzu kommt, dass die Lehrer des Landes Schleswig-Holstein durch Landtagsbeschluss während der letzten 9 Jahre zur Linderung des Lehrermangels 4,5 Jahreswochenstunden mehr unterrichten mussten, die so genannte Vorgriffstunde.
Ab dem Schuljahr 2009/10 müssen diese 4,5 Stunden pro Lehrkraft per Erlass nun zurück erstattet werden, ebenfalls in einem Zeitraum von 9 Jahren. Lehrkräfte, die demnächst in Pension gehen werden, müssen diese Stunden rechtzeitig zu ihrem Ausscheiden verblockt zurück bekommen. Dies ist angesichts des Bergs an Überstunden doppelt schwierig.
Durch Krankheit bedingter Unterrichtsausfall kann bei uns zur Zeit also nicht durch Mehrarbeit ausgeglichen werden.
Das Ministerium möchte helfen, kann aber nicht – da hilft dann auch kein Elternprotest.
Es bleibt also nur die Kürzung von Unterricht. Und dies kann in folgender Weise geschehen:
a) weniger Wochenstunden in dem Mangelfach (z.B. 3 statt 4)
b) Unterricht in diesem Fach für nur ein Schulhalbjahr
c) Epochenunterricht: die Klasse hat das Fach A nur im ersten und das Fach B nur im zweiten Schulhalbjahr, über Kreuz mit
der Parallelklasse
d) Streichung von Kursen mit zu geringer Schülerzahl in der Oberstufe (jetzt nur noch im 13. Jahrgang)
e) Streichen von AGen mit zu geringer Teilnehmerzahl
Sie können es fast täglich in der Zeitung lesen: An allen Gymnasien im Land muss Unterricht ausfallen, das ist Normalität.
Der Landtag in Kiel hat im letzten Jahr beachtliche Kraftanstrengungen unternommen und erhebliche Mittel für zusätzliche Lehrerstellen bewilligt, aber es reicht eben immer noch nicht.
Für uns am TGL bedeutet das konkret:
Klasse 5b: keine Biologie im 1. Halbjahr, dafür 3 statt 2 Stunden Geschichte
Klasse 6a: keine Biologie im 1. Halbjahr
Klasse 6b: keine Erdkunde im 1. Halbjahr
Klasse 8a: keine Biologie im 1. Halbjahr, nur 1 Stunde Erdkunde, dafür 3 statt 2 Stunden Geschichte
Klasse 10b: 1 statt 2 Stunden Erdkunde im 1. Halbjahr
Natürlich hoffen wir, dass unsere erkrankten Kolleginnen uns möglichst bald wieder zur Verfügung stehen, in diesem
Fall wird die normale Unterrichtsversorgung sofort wieder hergestellt.
Bleiben wir noch etwas bei den Zahlen:
Wir haben 54 Kinder in unsere beiden neuen 5. Klassen eingeschult.
Unsere beiden größten Klassen haben 30, unsere kleinste 15 Schüler.
Der Klassendurchschnitt beträgt 23,8 Schüler – unser Motto „kleine Klassen!“ hat also immer noch Gültigkeit.
Unsere Schule hat jetzt insgesamt 429 Schüler, das ist seit Jahren die mit Abstand höchste Zahl.
Die Zahl der Schüler in der Sekundarstufe I (den Klassen 5 – 10) beträgt 304, damit erfüllen wir also die Forderung der „Handreichungen für Schulträger zu den Bestimmungen des neuen Schulgesetzes“ vom 27.03.2007 (Kap. 5: Mindestgröße): Dort werden für ein Gymnasium als Mindestgröße 300 Schüler in der Sekundarstufe I festgesetzt. - Sie erinnern sich?
Auf diese Zahl sehen diejenigen Leute immer, die hier bei uns gern eine andere Schulform sehen würden ….
Aus derselben politischen Ecke wurde ja auch schon verbreitet, das TGL würde „seinen Aufgaben nicht nachkommen“.
Dass bei uns nicht nur die Zahlen stimmen, sondern auch die Qualität, zeigen unsere Schulübergangsempfehlungen:
Sowohl in den neuen 5. Klassen als auch am TGL insgesamt haben über 77%, also mehr als ¾ der Schülerschaft
eine Empfehlung zum Gymnasium.
Alle 34 Schüler und Schülerinnen, die zur Abiturprüfung angetreten sind, haben diese bestanden, darunter auch mit der
Traumnote 1,0. Unser Abiturdurchschnitt liegt bei 2,47 und ist damit deutlich besser als der Landesdurchschnitt von 2,56.
Mag der Hahn rot bleiben (so stand es einmal auf einem Wahlplakat) - TGL bleibt auch.
Die Neuerungen im Rückblick
Ein Jahr G8 liegt hinter uns. Wir können feststellen, dass die Kinder durch unsere speziellen pädagogischen Anpassungen
recht gut mit den erhöhten Anforderungen zurecht kommen: das Doppelstunden-Prinzip, das gemeinsame Mittagessen und
die anschließende Mittagspause, die lange 3. große Pause, deutlich weniger Hausaufgaben und weniger Klassenarbeiten
lassen sie mit den gestiegenen Belastungen besser fertig werden als viele zunächst befürchtet haben.
Wir registrieren aber auch, dass der verlängerte Schultag das Interesse am nachmittäglichen AG-Angebot deutlich zu verringern scheint: Einige durchaus interessante und attraktive AGen kamen mangels Nachfrage nicht zustande.
Wir werden diese Entwicklung aufmerksam weiter beobachten, ggf. sind irgendwann einmal Schlüsse daraus zu ziehen.
Die Profiloberstufe ist nun aufgewachsen bis zur 12. Klasse, unser 13. Jahrgang ist der letzte im Kurssystem.
Die beiden Profilfächer wurden im ersten Jahr sehr unterschiedlich angewählt: 25 Schüler in der 12a (Profilfach Geschichte)
und 15 Schüler in der 12b (Profilfach Biologie). In der 11a und 11b war das Verhältnis mit 20 : 17 deutlich ausgewogener.
Die Schüler haben die Profiloberstufe noch nicht so recht lieb gewonnen – und viele Lehrer ebenfalls nicht:
Wenig Möglichkeiten für die Schüler, Fächer nach ihren Neigungen zu wählen, dazu die Verkürzung der Unterrichtszeit
um 20% (von den 5-stündigen Leistungskursen auf die 4-stündigen Kern- und Profilfächer) sowie um 30% (von den
3-stündigen Grundkursen auf die 2-stündigen Fächer) lassen viele mit Wehmut an die ungleich umfassendere und viel mehr
in die Tiefe gehende Arbeit im Rahmen des Kursystems denken. Verschärfte Vorgaben und erhöhte Anforderungen für die Schüler kommen hinzu und sind die große pädagogische Herausforderung für die Lehrer in der Oberstufe.
Stolz sind wir darauf, dass wir als kleine Schule neben Naturwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft für unsere Schüler quasi als drittes noch zwei „Sprach-Profile“ vorhalten, indem wir in den Klassen 11 bis 13 die zweite und dritte Fremdsprache Französisch und Latein durchgängig mit jeweils 4 Wochenstunden anbieten; das ist schon „luxuriös“.
Der MSA (Mittlere Schulabschluss) bescherte Frau Schröder, Herrn Richter und vielen unserer Kollegen einen
sehr hohen zusätzlichen Planungs- und Verwaltungsaufwand. Es gab unzureichende, nicht zu Ende durchdachte und sich
zum Teil widersprechende Vorgaben, fehlerhafte Aufgabenstellungen und Arbeitsmaterialien, schlechte Koordinierung der zuständigen Stellen in Kiel sowie ständig neue Informationen. Wir haben unsere negativen Erfahrungen sehr deutlich
nach Kiel zurück gemeldet. Dies taten auch die anderen Gymnasien, und das Ministerium hat spürbare Vereinfachungen
und Entlastungen zugesagt. Darauf sind wir sehr gespannt.
Die gute Nachricht: Von 17 Prüflingen, die von uns zur Teilnahme am MSA verpflichtet wurden, haben 16 diesen bestanden.
Den qualifizierten MSA, der über den Notendurchschnitt zum direkten Eintritt in die Oberstufe berechtigt, haben nur 2 der
Prüflinge geschafft. Diese Hürde liegt also vergleichsweise hoch, in Kiel wird über eine Anpassung nachgedacht.
Weitere Hinweise:
1) Unser Schulsekretariat ist Mittwochs und Freitags nicht besetzt, Frau Bitter muss dann an der Matthias-Leithoff-Schule
Dienst tun. Sie können sich an diesen Tagen an das Sekretariat der Trave-Gemeinschaftsschule wenden:
Frau Pöppel, Tel. 122 84 88 – aber bitte nur in wirklich ganz dringenden Notfällen!
2) Termine finden Sie dank der vorzüglichen Pflege unserer Homepage durch Herrn Dr. Matlok immer aktuell unter
3) Die Firma Gottschi (Lieferant für unsere Mensa) hat uns mit der Begründung „personelle Probleme“ gekündigt, sie liefert
nur noch bis zu den Herbstferien. Der Essenbetrieb soll danach möglichst naht- und reibungslos weitergehen, wir sehen uns
um nach neuen Anbietern. Unser Ziel ist klar: den Preis halten oder senken –die Qualität halten oder steigern.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr Arno Reimann Lübeck, den 25. 09. 2009

