Aus der Geschichte des Trave-Gymnasiums - Impressionen, Daten, Personen
(von Jürgen H. Meyer, OStD a.D.)
Es waren die Jahre der erbarmungslos überfüllten Schulen, die 1970
zur Gründung der Außenstelle der Thomas-Mann-Schule in Kücknitz führten. Mit
unseren ersten Jahrgängen, bis zur Quarta, waren wir zu Gast in der Grund- und
Hauptschule am Kirchplatz und der Realschule an der Haferkoppel. Ich habe den Eindruck, wir waren wohlgelittene Gäste, unterstützt
von einer enorm engagierten Elternschaft unter dem Vorsitz unseres ersten
Schulelternbeiratsvorsitzenden Herrn Werner Hattwig und seinen Mitstreitern. Sie
haben es vor allem durchgesetzt, dass ein Gymnasium dort entstand. Unsere
Elternschaft war der Schule immer ein verlässlicher Begleiter, ein treuer
Partner. Und das ist etwas, was ich auch unseren Schülervertretungen von ganzem
Herzen bescheinigen kann: Sie waren stets für ihre Schule engagiert, haben ihre
Belange immer vor dem Hintergrund des Gesamtinteresses gesehen - eine reife
Leistung! Persönlich denke ich gern an die Ausflüge zurück, auch an einen
gelungenen, ersten Schulausflug unter der Regie von Herrn Zimmermann, mit
tatkräftiger Unterstützung durch das kleine Kollegium. Im Zuge der Planung eines
neuen Gymnasiums wurde die Außenstelle des Katharineums in Travemünde aufgelöst
und die Kinder unserer Schule übergeben. Das brachte die eine oder andere
Reibungsfläche mit sich, aber wir haben bald erlebt, wie die Elternschaften
beider Stadtteile, Kücknitz und Travemünde, sich zusammenfanden.
1973 wurden
wir selbständig als "Gymnasium i.E." (nein, nicht "in der Ecke", sondern "im
Entstehen") und damit war auch ein Neubau notwendig geworden, der zwischen dem
Mühlbachtal und der Kücknitzer Hauptstraße hochgezogen wurde, in der modernen
Skelett-Bauweise - nicht jedermanns Geschmack, aber funktional und nüchtern. Es sollte ein Schulzentrum werden für je
ein Gymnasium und eine Realschule. Bereits damals geisterte jedoch die
dezidierte Idee einer Gesamtschule in der lübsehen Schulverwaltung herum, aber
unsere Eltern "boxten" das Gymnasium durch. Mit unserem Einzug in den ersten
Bauabschnitt hatten wir nun "unsere" Schule, noch eine zeitlang begleitet von
nicht unerheblichem Baulärm und Unruhe. Die Ausstattung der Schule war sehr gut;
die naturwissenschaftlichen Unterrichtsräume z.B. waren Laborräume, in denen die
Schüler selber experimentell arbeiten und lernen konnten. Etwa zeitgleich mit
dem Neubau traten zwei Personen in unser Schulleben ein, ohne die ein
Schulalltag nicht vorstellbar ist: 1977 Frau Bartsch, die Schulsekretärin, und
schon 1974 Herr Meng, der Hausmeister. Was diese beiden Menschen für unsere
Schule leisteten, ist schlicht und einfach enorm. Schulleitung und Kollegium
hatten in ihnen immer verlässliche Partner.
1978 erfolgte die Namensgebung
für die Schule. Verschiedene Namen standen zur Diskussion, es waren tatsächlich
12, u.a. Willy Brandt, Lichtenberg, Dr. Julius Leber und Theodor Fontane. Bei
der endgültigen Abstimmung blieb es dann aber bei dem geographisch-neutralen
Etikett "Trave-Gymnasium" das ja auch zur "Trave-Realschule"
im gemeinsamen Schulzentrum passte. 1979 "bestanden" wir dann das erste Abitur
mit gutem Erfolg, unter der umsichtigen Regie von Herrn Sahlmann als
Oberstufenleiter. Ein Wermutstropfen war die "verunglückte" Rede eines
Abiturienten, die aber bereits im nächsten Jahr vergessen war, denn es setzte,
eben wegen dieser Erfahrung, die ursprünglich vom Oberstufenleiter intendierte
Form der Abitur-Entlassungsfeiern in Regie der Schüler/-innen ein, mit oft
großartigen Bühnen- und Kabarettreifen Darbietungen. Es war Jahr um Jahr ein
"kritisches" Vergnügen. - Anfang der 80'er gab es einen eigenartigen Vorfall,
unsere Schule durch "braune Schmierereien" zu diffamieren. Ich bin nach wie vor
davon überzeugt, dass diese Täter mit ihrem Versuch, das Gymnasium als Schulart
in Kücknitz zu verunglimpfen, aus einer ganz anderen Ecke stammten.
Ein
wichtiger Personenwechsel im Kollegium war 1984 zu bewältigen, denn mein
langjähriger Stellvertreter, Herr Kunzendorf, wurde Schulleiter an der Deutschen
Schule in Stockholm. Als seinen vortrefflichen Nachfolger konnte ich Herrn
i.-Meier gewinnen. Damit war in der Verwaltung die "Mey/-eierei' etabliert:
"Obermeyer" (meine Wenigkeit), i-Meier (der Stellvertreter) und Mathe-Meyer (der
Orientierungsstufenleiter). Wer diese Etiketten zuerst benutzt hat, weiß ich nicht so genau, vermute
aber, dass es unsere Sextaner/Quintaner waren. - Seit jener Zeit datiert auch
unsere Schwedenpartnerschaft für die Orientierungsstufe; ein Englandaustausch
(für die Mittelstufe) und Frankreichaustausch (für die Oberstufe) ergänzen die
internationalen Verbindungen der Schule. Zeitweilig hatten wir auch eine
Partnerschaft mit dem Colby College aus Waterville in Maine, USA. Die Anfrage
dazu kam von einem Studienfreund aus meinen USA-Zeiten, Prof Dr. Kueter.
Germanistik-Studenten kamen für ein Semester zu uns, hatten auch Unterricht auf
Deutsch von unseren Kollegen in Ge, Ek, Ku und Mus, neben dem Deutschunterricht
durch deren Dozenten. Sie waren bei Familien unserer Schüler untergebracht,
gegen ein moderates Entgelt, natürlich. Das ging, insgesamt gesehen, meist recht
gut und hat zu dauerhaften Freundschaften geführt. Wir als Schule profitierten
davon, da eine/r unserer Abiturienten/-innen ein Stipendium als teaching
assistant für ein Jahr drüben an Colby bekam. Leider wurde das nicht
fortgesetzt; einer der Gründe war ein Abnehmen des Interesses drüben an der
deutschen Sprache, zu Gunsten des Spanischen vor allem. Das soll sich aber
inzwischen wieder geändert haben, Deutsch ist "wieder in" an den highschools und
colleges wie auch - man staune - Latein. Ubrigens, Herr Kunzendorf war der erste
von vier Schulleitern, die wir als jüngstes Gymnasium Lübecks "hervorgebracht"
haben: Herrn Herold am Ostsee-Gymnasium in Timmendorf, Herrn Dr. Klopsch am
Gymnasium Neustadt, Herrn Dr. Czieslik am Mülhlenberg Gymnasium in Bad
Schwartau.
Mit Herrn Meier hatte seinerzeit auch die direkte Arbeit mit
Computern an der Schule begonnen. M.W. waren wir das erste Gymnasium in Lübeck,
das diesen Unterricht einführte. Am Anfang standen die, nach heutigen Maßstäben,
vorsintflutlichen Commodore PCs im Mathe-Raum, aber sie erfreuten sich regen
Zuspruchs. Natürlich zog man an den anderen Schulen schnell
nach. Noch etwas anderes an unserer Schule möchte ich erwähnen: die Arbeit der
Theater AG. Unter Frau Milewskis großartiger Regie sind eine Reihe von
Aufführungen auf die Bretter unserer Bühne im Forum gebracht worden, an die man
sich gern erinnert. Einige Schüler haben das Theater dann auch zu ihrem
Lebensberuf gemacht. Ich habe diese wenigen Beispiele in dem Wissen genannt,
dass ich damit die wirklich engagierte unterrichtliche Arbeit vieler Lehrkräfte
nicht gesondert geschildert habe. Es würde den Rahmen dieses Textes sprengen -
ich bitte um Nachsicht.
Nach einem erfolgreichen Vorlaufsversuch mit dem
Modell "14-tägig-samstags-frei" führten wir als erstes Gymnasium 1990 die reine
Fünf-Tage-Woche ein. Die meisten anderen Gymnasien folgten umgehend! Mit der
Wende kam auch eine leider nur sehr kurzlebige Partnerschaft mit der
Thomas-Mann-Oberschule in Grevesmühlen zustande. Wir haben uns redlich bemüht,
aber die Umstellung auf unsere "Lebens- und Unterrichtsart" war "drüben" anfangs
wohl doch zu schwierig.
1993 - im 20. Jahr unseres Bestehens - bin ich dann
in den Ruhestand getreten. Es waren erlebnisreiche, spannungsreiche und immer
irgendwie befriedigende Jahre des Wirkens an unserer Schule, trotz verschiedener
Rückschläge, Unruhen, gelegentlicher Überbelastung. Ich habe sehr gern an
"meiner" Schule gearbeitet und habe ja durch den Förderverein des Gymnasiums
immer noch direkten Konnex zu ihr. Vor allem freuts einen, dass man immer noch
fröhlich begrüßt wird, wenn man in der Schule aufkreuzt, obwohl jetzt allmählich
die letzten Kinder, die einen noch kannten, ihr Abitur machen müssten.
- "Valete - lebt wohl!"
Die Jahre 1998 - 2000 waren überwiegend geprägt durch den Kampf
gegen die Umwandlung des Trave-Schulzentrums in eine integrierte
Gesamtschule.
Statt einer detaillierten Darstellung der einzelnen Ereignisse,
erfolgt der Rückblick hier in Form von ausgewählten Presseartikeln, die
gleichzeitig das auch überregionale Interesse dokumentieren, das die
Auseinandersetzung um das Schulzentrum gefunden hat.
Das letzte Gefecht? - SPD und Grüne beschließen Gesamtschule zum August (LN, 29. Januar 1999)
Der Gang nach Kücknitz (LN, 04. Februar 1999)
Bildung - Qualität im Keller (Der Spiegel, 08. Februar 1999)
Kiel kippt die Gesamtschule - Jubel am Lübecker Trave-Gymnasium (LN, 17. Februar 1999)
Gesamtschule: Lübeck gibt sich geschlagen (LN, 26. Januar 2000)
Das Schuljahr 2001/2002
Personelle Veränderungen:
Herr Dr. Kappe ist auf eigenen Wunsch versetzt worden an das
Ostsee-Gymnasium in Timmendorfer Strand. Herr Richter ist seit den Sommerferien
unser neuer Stellvertretender Schulleiter, er unterrichtet die Fächer
Mathematik, Wirtschaft/Politik und Informatik (bis 10. Klasse). Neu bei uns sind
auch Frau Manns (Deutsch und Englisch) und Herr Demmert (Mathematik und Physik).
Unser derzeitiger Hausmeister, Herr Wigger, wird während der Herbstferien zu
unserem Bedauern an eine andere Lübecker Schule versetzt. Als Nachfolger und
dann ständiger und dauerhafter Hausmeister wird nach den Herbstferien Herr
Christian Lawrenz seinen Dienst bei uns antreten. Schularbeiter bleibt Herr
Köppen. Auch an der Trave-Realschule gibt es Veränderungen: Neue Rektorin ist
seit den Sommerferien Frau Gramer, als Sekretärin wurde Frau Pöppel eingestellt.
Wir freuen uns darüber, dass wir damit am Schulzentrum Kücknitz wieder eine
"komplette Mannschaft an Bord" haben.
Unterrichtsversorgung:
Mit den Zuweisungen von Herrn Richter, Frau Manns und Herrn
Demmert ist das uns vom Ministerium zugewiesene Personal-Soll leicht
übererfüllt. Dennoch können wir die Stundentafel nicht voll erfüllen:
Es
fehlen Religion/ Philosophie je 2 Stunden in den Klassen 5, 7 und 8 sowie 1
Wochenstunde in Klasse 11; Deutsch muss in den 10. Klassen von 4 auf 3
Wochenstunden, Latein (2. Fremdsprache) in der 9b und 10b von 4 auf 3
Wochenstunden gekürzt werden, Erdkunde in den 5. Klassen von 2 auf 1
Wochenstunde. Unsere Lehrkräfte werden sich alle Mühe geben, durch straffes und
konzentriertes Arbeiten diese Kürzungen aufzufangen. Mangelfächer an allen
Gymnasien des Landes sind Physik, Latein, Religion/ Philosophie, Kunst und
Musik.
Wir erteilen 656 Jahreswochenstunden, es fehlen 16 Jahreswochenstunden, damit beträgt der strukturelle Unterrichtsausfall 2,4 %.
Veränderung am Schulgebäude und Ausstattung:
- Unser Hausmeister, Herr Wigger, hat während der Sommerferien sämtliche Sonnenjalousien, die in den Sommermonaten in den Klassenräumen eine "Frage des Überlebens" sind, überholt und instandgesetzt, nachdem der Schulträger (natürlich aus Kostengründen) meine dringende Bitte wie gewohnt in gekonnter Weise im Sande verlaufen lassen wollte.
- Unsere Sporthallen haben einen neuen Hallenboden (Kosten: ca. 240.000,- DM) erhalten. Die zunächst von Schülern und Kollegen beklagte Geruchsbelästigung durch die Versiegelung ist nach gründlichem Lüften gewichen.
- Unsere Computer wurden seit dem Beginn des Schuljahres von Schülern, der Admin-Gruppe, betreut, gewartet und instandgesetzt; ihr Ansprechpartner und Betreuer ist Herr Richter. Die Admins haben ihre Aufgabe mit viel Elan und Engagement begonnen und sind z. Z. dabei, unsere Computer im 2. Stock und die in der Realschule im 1. Stock mit den Computern in den naturwissenschaftlichen Sammlungen im Erdgeschoss zu vernetzen und dort einen zweiten Internetzugang zu installieren. Auch hier bestätigt sich die auf diesem Gebiet oft gemachte Erfahrung, dass die jungen Leute diese Dinge viel besser können als die Erwachsenen.
- Aus Sicherheitsgründen (unser Schulgebäude hat 8 Eingangstüren!) ist unsere elektrische Schließanlage umgestellt worden: Die beiden Türen am Haupteingang sind jetzt so geschaltet, dass sich ab 14.30 Uhr diese Türen nur noch von innen, zum Verlassen des Gebäudes, nicht aber von außen, zum Betreten des Gebäudes, öffnen lassen. Dafür haben alle Lehrkräfte beider Schulen einen Haustürschlüssel erhalten, und Schüler/Schülerinnen, die am Nachmittag in die Schule wollen, z. B. weil sic selbstständig eine AG o.a. leiten, können sich bei den Schulleitungen einen Haustürschlüssel gegen Quittung ausleihen.
Schulprogramm:
Die Arbeit an unserem Schulprogramm ist zügig und erfolgreich
vorangeschritten:
Die Arbeitsgruppe des Kollegiums hat einen kompletten
Entwurf erstellt, dieser wurde vom Kollegium auf zwei Lehrerkonferenzen
eingehend beraten, wird bis zu den Herbstferien überarbeitet und dann als
endgültiger Entwurf der SV und dem Schulelternbeirat zur weiteren Beratung
vorgelegt werden, so dass auf der ersten Schulkonferenz (wahrscheinlich noch vor
den Weihnachtsferien) eine erste Lesung zur Beratung und Verabschiedung
stattfinden kann.
Besondere pädagogische Veranstaltungen und Aktivitäten
Seit 2 Jahren gibt es bei uns
- das Peer-to-Peer-Team zur
Suchtprävention, in dem speziell ausgebildete und geschulte Schülerinnen und
Schüler als Ansprechpartner für hilfe- und ratsuchende Kinder und Jugendliche
zur Verfügung stehen.
Als Lehrkräfte betreuen Frau Rocksien und Herr
Rosenplänter diese Gruppe.
- den Entspannungskurs für die Kinder der 5. Klassen (3.
Jahr)
Unter der Leitung der Psychologin Frau Lindner finden 6 Stunden am
Vormittag in 6 Wochen im Forum statt. Die Kosten für die Eltern betragen 15,-
DM, finanziell wurde der Kurs außerdem unterstützt vom Gemeinnützigen Verein
Kücknitz (300,00 DM), vom Gemeinnützigen Verein Travemünde (500,00 DM) und vom
Förderverein des TGL (195,00 DM). Ansprechpartnerin ist Frau Dr. Schliebs.
- den Kurs "Take care of your ears" (2. Jahr), in dem Kinder zum
bewussten Umgang mit ihrem Gehörsinn und dem Hören lauter Musik angehalten
werden.
Ort/Zeit/Kosten: Schule, integriert in den Musikunterricht, keine
Kosten. Ansprechpartner: Frau Dr. Schliebs, Herr Heß
- das Defending Team (2. Jahr), in dem Kinder lernen, in
gefährlichen und kritischen Situationen überlegt und situationsangemessen zu
reagieren.
Ort/Zeit/Kosten: Schule; 1 Woche: 4 Nachmittage; 60,00 DM pro
Kind. Ansprechpartnerin: Frau Dr. Schliebs
- das Lions Quest-Progamm: "Hilfe zum Erwachsenwerden" (4. Jahr),
das für die Kinder der 5. und 6. Klassen fest mit einer Wochenstunde im
Stundenplan verankert ist. Diese von Schülerinnen/Schülern und Lehrkräften als
außerordentlich sinnvoll empfundenen Stunden haben die hergebrachten Stützkurse
weitgehend ersetzt (Ausnahmen sind der Stützkurs "engl. Aussprache"
(Aussprachetraining für Kinder mit Hörproblemen) unter Leitung von Frau Dr.
Schliebs und der Stützkurs Legasthenie unter Leitung von Herrn Schreier). Für
das Lions Quest-Programm stehen inzwischen mit Frau Dr. Schliebs, Frau Rocksien,
Frau Gieß, Frau Milewski-Pribnow und Frau Krawietz 5 Lehrerinnen mit der
zugehörigen Ausbildung zur Verfügung, demnächst wird noch Herr Hoppe die Gruppe
verstärken.
A.Reimann, Schulleiter

